• Fachklinik Psychosomatik Sanatorium Dr. Barner - Reittherapie

Klinik Dr. Barner

Fachkrankenhaus für Psychosomatik und Psychotherapie

Tiergestützte Therapie mit Pferden

Wie kaum ein anderes Tier ist das Pferd untrennbar mit der Menschheitsgeschichte verbunden. Schon immer schätzten es die Menschen wegen seiner Ausdauer, seiner Kraft, Schnelligkeit, Feinfühligkeit und Loyalität.

Es zeigt Verhaltensweisen die Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede zu unserer menschlichen Gesellschaft haben:

  • Pferde leben in einer sozialen Struktur mit klarer Rangordnung.
  • Sie können Freundschaften schließen und Zuneigung zeigen.
  • Das Pferd ist als Fluchttier nicht aggressiv, seiner Umwelt gegenüber sehr sensibel und beobachtend.
  • Pferde kommunizieren und handeln aus dem Moment heraus, sie leben im Hier und Jetzt.
  • Sie begegnen dem Menschen ohne zu werten.

Um eine Mitarbeit des Pferdes zu erreichen, ist eine klar funktionierende Kommunikation, Bewegung, Gestik und Körpersprache nötig. Die Sprache spielt eine untergeordnete Rolle. Diese Eigenschaften des Pferdes, zusammen mit der Möglichkeit, den Menschen zu tragen, bilden die Grundlage eines therapeutischen Einsatzes. Das Pferd mit seinem Bedürfnis nach Kontakt, seiner freundlichen Sensibilität und seiner wachen Beobachtung unterstützt die Therapie. Patient, Pferd und Therapeut können zu einem Team werden (Triade).

Psychosomatische Fachklinik Dr. Barner - tiergestützte Therapie mit PferdenPsychosomatische Fachklinik Dr. Barner - tiergestützte Therapie mit Pferden

Indikationen für tiergestützte Therapien

Pferde werden von uns bei folgenden Krankheitsbildern eingesetzt:

  • Depressionen und affektive Störungen
  • Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Angsterkrankungen und Panikstörungen
  • Anpassungsstörungen: Bewältigung von Lebenskrisen, schwere Arbeitsplatzkonflikte, familiäre Beziehungskrisen, Trauerbewältigung
  • Somatisierungsstörungen, insbesondere chronische Schmerzstörungen mit soma-tischen und psychischen Faktoren
  • Persönlichkeitsstörungen: besonders auch emotional instabile Persönlichkeitsstörungen, zum Beispiel vom Borderline-Typ
  • Erkrankungen aus dem Autismus-Formenkreis

Die besondere Wirksamkeit hat sich bei allen Erkrankungen erwiesen, die mit Störungen des Körperempfindens und der Körperwahrnehmung einhergehen. Die körperorientierte Psychotherapie macht sich tiergestützte Verfahren zunutze.

Tiergestützte Therapie als wichtiger Baustein der Traumabehandlung

Die tiergestützte Therapie mit den Pferden hat sich in unserer Klinik in den letzten Jahren zunehmend zu einem wichtigen Therapiebaustein entwickelt insbesondere bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen. Die Gefühle von Befreiung sowie auch das oft erstmalige Wiedererleben von tiefer Ruhe, Gelassenheit und Geborgenheit bewirken eine schöne und kräftige Ausstrahlung auch in die anderen Therapien.

  • Charakteristische Symptome für die Posttraumatische Belastungsstörung sind
  • Intrusionen (schmerzliche Erinnerungen an das traumatische Ereignis)
  • Überflutung mit blitzlichtartigen, plötzlichen Erinnerungsbildern – Flashbacks
  • Belastende Träume/Albträume
  • Vermeidungs- und Erstarrungssymptome (Numbing und Freezing) mit der Folge von Rückzug und Aktivitätsvermeidung
  • Chronisches Hyperarousal (Übererregung, Schreckhaftigkeit, emotionale Instabilität, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme)

Aufmerksamkeitslenkung, und Dissoziations-Stopp, Reorientierung und Flashback-Kontrolle sind Grundpfeiler der traumazentrierten Psychotherapie. Sie haben das Ziel, das massiv erhöhte Dauererregungsniveau, das s.g. Hyperarousal zu senken.

Mit der tiergestützten Therapie ergeben sich hier ganz neue, effektive Behandlungsmöglichkeiten:

  • Therapiepferde gehen in Resonanz mit dem Patienten, erspüren instinktiv die Stimmung ihres Gegenübers und reagieren darauf. So können dem Patienten abgespaltene, verborgene oder verdrängte Gefühle deutlich werden.
  • Therapiepferde haben darüber hinaus einen untrüglichen Instinkt für Ambivalenz in Körpersprache und Ausdruck eines Menschen. Bei einer ambivalenten, unschlüssigen Haltung werden sie sich erst einmal abwenden, solange bis derjenige eine klare Haltung oder Botschaft zeigt.
  • Bei traumatisierten Menschen erspüren die Therapiepferde mitunter früher als der Betroffene selbst, wenn sich ein dissoziativer Zustand anbahnt und reagieren unmittelbar und spontan darauf.
  • Der Aufforderungscharakter der Therapiepferde bewirkt eine direkte Reorientierung – die Tiere fordern Präsenz und volle Aufmerksamkeit der Patienten ein und fördern damit in hohem Maß eine Gegenwartsorientierung, die traumatisierten Menschen oft verloren gegangen ist.
  • Ein verantwortlicher respektvoller Umgang mit dem Therapiepferd bewirkt ganz von selbst eine bessere Eigenverantwortlichkeit – das gestörte Selbstvertrauen wird gestärkt. Zweifel, Scham – und Insuffizienzgefühle treten mehr und mehr in den Hintergrund.

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Emotionale Öffnung

Die Begegnung mit dem Pferd ermöglicht fundamentale Selbst- und Beziehungserfahrungen. Menschliche – oft verletzte und abgewehrte – Grundbedürfnisse werden wachgerufen. Das (Wieder)Erleben der eigenen Körpergrenzen und das (Wieder)Entdecken von Ressourcen, kann erfahren werden.
Die bedeutsame Erfahrung des Getragen Werdens ist für Menschen, die selber viel tragen und ertragen und wenig Zuwendung erfahren haben, ein beglückendes Gefühl.
Die Patienten und Patientinnen werden zugänglicher, öffnen sich emotional, lassen
Gespräche zu, die sonst nicht möglich schienen.
Bei Angststörungen und Traumafolgestörungen ermöglicht die Beziehungsaufnahme zum Tier die Umgehung der belasteten Kontakte zum Menschen, die sich als Täter bzw. nicht als ausreichend haltgebend gezeigt hatten.

Regression und Aktivierung

Pferde sind Flucht- und Herdentiere. Als Fluchttiere verfügen sie über eine hochdifferenzierte Wahrnehmung und registrieren kleinste Körpersignale, Stimmungsschwankungen, Änderungen im sozialen Gefüge. Als Herdentiere fragen sie sich: Ist mein Gegenüber so präsent wie ein Leittier? Erst dann sind Pferde bereit, zu folgen.

  • Nähe zuzulassen und Distanz zu wahren,
  • sich regressiv vom Pferd tragen lassen, geführt werden oder
  • Verantwortung übernehmen und die „Zügel in die Hand nehmen“,
  • sich so groß, stark, schnell, schön wie das Pferd zu fühlen

sind wichtige Themen, die bei vielen Störungsbildern bearbeitet werden müssen und am Pferd eine quasi bildliche, direkt erlebbare Dimension erhalten.

Selbstwirksamkeit

Statt der negativen Selbstüberzeugung „ich bewirke nichts, bin ausgeliefert, bin nichts wert“ gibt es in der tiergestützten Therapie viele Tätigkeiten z.B. bei der Versorgung der Tiere, die als sinnvolle Handlungen erlebt werden und Freude bereiten. Beim Führen des Tieres kann erlebt werden „nicht ich werde geführt, sondern ich führe das Pferd“. So kann ein positives Selbstkonzept aufgebaut werden.

Spiegelfunktion

Anspannung und Angst so wie auch Aggressivität werden von Pferden schnell „gelesen“. Sie reagieren ebenfalls mit Anspannung, Angst oder Aggression. Andererseits gehen sie sofort in Entspannung, wenn sich das Gegenüber, der Patient, entspannt und ihnen Sicherheit vermittelt. Diese Spiegelfunktion kann gezielt eingesetzt werden, um Patienten ihre innere und auch äußere Haltung zu verdeutlichen.

Das Pferd als therapeutisches Medium

  • Das Pferd hat einen hohen Aufforderungscharakter. Es spricht selbst Menschen an, die kaum Kontakt zu ihrer Umwelt aufnehmen.
  • Es bietet großflächigen Körperkontakt: der Reiter kann sich anlehnen, sich tragen lassen. Bedürfnisse nach Körperkontakt, sozialer Nähe und geborgen sein werden erlebt.
  • Die Bewegung des Pferdes sind die Basis für die körpertherapeutische Arbeit: der eigene Körper wird neu erfahren, Verspannungen werden gelöst und unbewusste Gefühle wahrgenommen. Das Pferd verlangt eine Aufrichtung beim Reiten und beim Führen. Beim Sitzen auf dem bloßen Pferderücken richtet sich der Mensch automatisch auf. Der Gleichgewichtssinn wird gefordert und gestärkt.
  • Die Beschäftigung mit den Tieren in der Gruppe regt die Kommunikation an, es erfordert gemeinsames Tun
  • Die Wirksamkeit des eigenen Handels wird erlebt: das große Tier folgt den Aufforderungen des Patienten und fördert Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

Bereicherung und Entlastung

Das Pferd kann den therapeutischen Prozess deutlich bereichern und entlasten. Der Therapeut hat einen „pferdischen Partner“, mit dem sich viele Themen auf eine erlebnisreiche und motivierende Art bearbeiten lassen.

Die Triade

Für die Arbeit mit Pferden sind keine Vorkenntnisse des Patienten erforderlich. Er kann beobachten, Fragen stellen und kann/darf seine/ihre Ängste und Vorsicht äußern.
Patient, Pferd und Therapeut arbeiten in einer Triade: so können sich in der zwischenmenschlichen Interaktion gestörte Patienten „dem tierischen Therapeuten“ zuwenden. Der Therapeut kommt interpretierend hinzu.

Der Einsatz von Therapiepferden in unserer Klinik

Die tiergestützte Therapie mit Pferden als körperorientiertes psychotherapeutisches Verfahren ist ein wichtiger Teil des multimodalen Therapiekonzeptes unserer Klinik.

Es besteht ein intensiver Austausch zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und dem Pflegeteam.

Neben Einzel- und Gruppentherapien können sich die Patienten in die Versorgung und Pflege der Tiere einbringen.

Unsere Therapiepferde leben auf dem Parkgelände der Klinik und sind immer erreichbar. Die Tiere können von den Patienten mitversorgt oder jederzeit besucht und beobachtet werden. Das Pferdeteam besteht aus einer kleinen Herde von fünf Therapiepferden, die in einem Offenstall zusammen mit Schafen und Hühnern artgerecht untergebracht sind.

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Pferde in der Therapie eröffnen Perspektiven und weisen einen Weg zu ganzheitlichen therapeutischen Arbeiten: Körper, Seele und Geist werden in spannender Selbsterfahrung gleichzeitig belebt und bereichert.

Und es macht Spaß!

Beratung Aufnahme:
Tel. 05520 / 804-400

Allg. Informationen:
Tel. 05520 / 804-0

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